Aus dem Tagebuch eines Kinderwagens
Vor drei Wochen war es endlich soweit. Nachdem ich schon nicht mehr daran geglaubt habe, jemals gekauft zu werden, ist ein Mann mit diesem merkwürdig verklärten Gesichtsausdruck, der die Mimik der meisten jungen Väter überrumpelt, in das Geschäft gekommen. Nur das Beste kam für seinen Sprössling in Frage, und das war ohne Zweifel ich!
Seitdem bin ich auf allen möglichen Ausfahrten dafür zuständig, dass die knuffelige kleine Antonia sicher transportiert werden kann. Macht richtig Spaß. Merkwürdig sind allerdings die Erwachsenen. Die beugen sich über uns, fangen an zu grinsen, und manchmal tätscheln sie der Kleinen im Gesicht rum. „Och, wie ist die nieeeedlich“, ist meistens der erste Satz. Und dann geht das Gebrabbele los: „Hei-tu-tu, na wer iss denn da.... ? Oh, wo isse denn de Nuckel?“ Also ich kann mir nicht erklären, warum die alle auf einmal einen Sprachfehler zu haben scheinen. Liegt wohl an einer biologisch gesteuerten Beeinflussung des Sprachzentrums, aber so genau weiß ich das auch nicht.
Na wenigstens scheinen die das gut zu meinen. Oder würden die Eltern sonst immer ein nettes Lächeln aufsetzen, obwohl denen oft gar nicht danach ist? Das kleine Mäuschen hat das jedenfalls alles schon durchschaut und lacht sich kringelig darüber, und wenn es mal keinen Bock mehr hat, fängt es einfach an zu schreien. Clever!
