HEINZ SIMMET - KURZBIOGRAFIE
Als Projektleiter Olaf Jansen mit mir Kontakt aufnahm, um sich nach einer Mitarbeit an "Die Helden des 1.FC Köln" zu erkundigen, entschied ich mich spontan, den Bericht über Heinz Simmet zu schreiben. Irgendwie war er mir von den vielen Spielen, in denen ich ihn live gesehen habe, sympathisch in Erinnerung geblieben. Einige längere Telefongespräche mit Simmet bestätigten diesen Eindruck. Es hat viel Spass gemacht, mal wieder so richtig über die erfolgreichen Jahre des FC zu erzählen.
Die großen Fußballtheoretiker unserer Zeit stecken Heinz Simmet grundsätzlich in die Schublade „Wasserträger und unermüdlicher Kämpfer“, sogar als „Rächer für Overath“ wurde er bezeichnet. In gewisser Hinsicht haben sie recht damit, behauptet Simmet doch selbst, dass „meine Art manchmal etwas rustikaler war“.
Gekämpft, bis die Hose in Fetzen hing
Unvergesslich ist den Fans, die live dabei waren, eine Szene aus dem Pokalspiel gegen SW Essen in der glanzvollen Saison 77/78, in der er mit dem FC das Double holte. Mitte der zweiten Halbzeit, es steht bereits 6:0, erkämpfte er den Ball in der eigenen Hälfte und startet einen Angriff. Sein Gegenspieler aber hat schon damals eine Vorliebe für die heute in allen Ligen so beliebten Trikottests und zerrt verbissen an Simmets Hose. Anstatt sich theatralisch hinfallen zu lassen, reißt Simmet sich so energisch los, dass die Hose in Fetzen geht. Unter dem Gelächter der Zuschauer rennt er noch 30 Meter und schließt den Angriff mit einer Flanke ab, die einen Eckball einbringt. Erst als der ausgeführt ist, kümmert er sich darum, seine Blößen mit einer neuen Hose zu verdecken.
Die Entscheidung über Meistertitel und Abstieg in der Bundesliga - Saison 1968/69 stand vor einer dramatischen Schlussphase, als der Schiedsrichter das vorletzte Spiel am Aachener Tivoli abgepfiffen hatte. Der 1.FC Köln hatte 1:2 verloren und musste nun in der letzten Partie gegen Nürnberg unbedingt punkten, um den drohenden Abstieg zu verhindern. Ein Kölner schlich besonders traurig vom Platz: Heinz Simmet. Sein unglückliches Eigentor – ein glückliches Eigentor ist wohl noch nie erzielt worden, aber in diesem Fall trifft es ganz besonders zu – hatte die Niederlage eingeleitet. „Ausgerechnet dem Heinz muss das passieren“, dachte jeder in der Kölner Fankurve und wusste sofort, dass er sich im letzten Spiel förmlich zerreißen und mit dafür sorgen würde, dass die Nürnberger vom Platz gefegt werden. So kam es dann auch, Simmet war am 3:0 vor 53.028 Zuschauern maßgeblich beteiligt und stürzte die Anhängerschaft in einen Freudentaumel, als ob gerade die Meisterschale an den FC übergeben worden wäre. Ganz Fußball – Deutschland schüttelte mal wieder den Kopf über die FC – Fans, denen das vollkommen egal war. So sind sie eben, die Kölner. Und so war und ist Heinz Simmet. „Ein echter „kölsche Jong“ kann man nicht werden, man muss als solcher geboren werden. Aber ich war von der Stadt und der Mentalität schnell begeistert und habe mich anstecken lassen. In Köln habe ich mich immer wohl gefühlt“, schwärmt der gebürtige Saarländer, der der Stadt auch nach seiner Karriere treu geblieben ist, von seiner zweiten Heimat.
Aber allein mit der Kategorie "Kämpfer" wird man Simmet nicht gerecht. Zwar war er nicht der geniale Spielgestalter, aber im Gegensatz zu vielen anderen Mittelfeldspielern hatte er die Fähigkeit, einen öffnenden Diagonalpass quer über das Feld zu schlagen, der auch zielgenau beim Mitspieler ankam. Wer in einer Reihe mit Overath und Flohe spielte, konnte nicht ausschließlich mit rein kämpferischen Mitteln voran kommen. Es war seine Vielfältigkeit, die ihn so wertvoll für die Mannschaft machte. In erster Linie meistens damit beschäftigt, den gegnerischen Spielmacher auszuschalten, trug er in vielen Situationen durch sein vorausschauendes Spiel zum Spielaufbau bei. Trotz seiner konstanten Leistungen wurde er nie in die Nationalelf berufen, obwohl er oft nahe dran gewesen war. Sein Schicksal war es einfach, dass zu seiner Zeit der Nationaltrainer in der glücklichen Lage war, aus einem Überangebot hervorragender Mittelfeldspieler auswählen zu können.
Köppel verlor vor Schreck den Haarschmuck
Die Kölner Fans mochten Simmet, weil sie bei ihm den Eindruck hatten, dass da einer auf dem Platz stand, der immer sein Letztes für den von ihnen geliebten Verein gab. Die Beziehung zum Fußball als Sportart war ausgeprägter und noch nicht so stark vom momentanen Erfolg gesteuert, wie seit Beginn der ungehemmten finanziellen Ausrichtung im Zeitalter einer zur Farce verkommenden Champions League. So waren selbst Niederlagen leichter zu verkraften. Der unkomplizierte Umgang mit den Fans brachte ihm viele Sympathien ein, ebenso wie so manche ungewöhnliche „Erziehungsmaßnahme“ auf dem Spielfeld. Opfer einer dieser Aktionen wurde beim Spiel der Geißböcke in Mönchengladbach Horst Köppel, der extrem schwach auf den Beinen zu sein schien und bei jeder Körperberührung zu Boden ging. Ziemlich genervt wegen dieser Schauspielereien flüsterte Simmet dem Toupetträger zu: „Wenn du dich noch mal fallen lässt, zieh’ ich dir den Hut aus.“ Bei der nächsten Gelegenheit war es dann soweit. Scheinbar bemüht, dem wieder einmal auf dem Boden Liegenden aufzuhelfen, zupfte er leicht an dessen Kopfschmuck, der zur Freude der sich vor Lachen biegenden Zuschauer und der des grinsenden Schiedsrichters bedenklich verrutscht war. Danach war der so Bloßgestellte urplötzlich wesentlich stabiler auf den Beinen.
Auch wenn Simmet stets konsequent zur Sache ging, war er nie unfair. Beleg dafür ist, dass er in seiner langen Profikarriere, die ihn über die Stationen Borussia Neunkirchen und RW Essen zum 1.FC Köln geführt hatte, keine einzige rote Karte gesehen hat. Die gesunde Härte, die so manchem Gegenspieler unvergessen geblieben ist, legte er auch bei sich selbst als Maßstab an. Vom 14.10.1967 bis zum 3.12.1977 stand er ununterbrochen im Aufgebot des FC und schaffte damit den sensationellen Bundesligarekord für Feldspieler von 289 in Folge bestrittenen Einsätzen.
Gegen Ende seiner Profikarriere hatte Simmet bereits damit begonnen, den Grundstein für die Zukunft zu legen und einen Malerbetrieb gegründet, den er auch heute noch in Köln erfolgreich leitet. Nach einem Blick zurück gefragt, erzählte er ohne zu überlegen, dass es eine wunderbare Zeit beim FC war, die ihren Höhepunkt im Pokalgewinn 1976/77 und dem in der folgenden Saison als Krönung folgenden Double habe. Heinz Simmet zieht eine durchweg positive Bilanz: „Ich bin rundum zufrieden mit allem, so wie es gekommen ist.“Hinweis: Die kursiv gedruckten Passagen entfallen aus Platzgründen im Buch.
© Günter Jagodzinska / Herrmann-Josef Emons Verlag - Köln
veröffentlicht in: "Die Helden des 1.FC Köln / Emons Verlag / 2000 / ISBN 3-89705-180-X
